|
Wie war's bei mir ?
Mitte der 90er hatte ich öfter diverse
Verdauungsprobleme, Blut im Stuhl und ähnliches mehr. Da ich aber
vorher nie krank war und auch sonst nicht gerne zum Arzt gehe,
habe ich es auch in dieser Zeit immer wieder hinausgezögert, bis
ich Ende 97 auf der Arbeit einen – wie sich später
herausstellte – heftigen Colitis-Schub hatte und damit zum Arzt
musste.
Colitis ulcerosa lautete die Diagnose. Nie gehört.
Noch dazu sehr schlechte Leberwerte.
Glücklicherweise machte mich mein Arzt schon
damals auf die DCCV aufmerksam, so dass ich über die Colitis
einiges erfahren konnte und ein halbes Jahr später an einem
Bundestreffen mit sehr vielen Informationen teilnehmen konnte.
Die CU bekam ich mittels Medikamente schnell in
den Griff, blieben die hohen Leberwerte- und das, obwohl ich fasst
nie Alkohol trank.
Also wurde ich an einen Spezialisten überwiesen,
der den Verdacht der PSC äußerte. Das sagte mir nicht viel, aber
mein Arzt erzählte, dass die notwendige Untersuchung (ERCP) mit
einem kurzen stationären Krankenhausaufenthalt verbunden wäre.
Da ich damals ein wichtiges und interessantes Projekt in meiner
Firma betreute, verschob ich diese Untersuchung. Kurze Zeit später
wechselte ich die Firma und damit auch den Wohnort, lebte in einer
600 km entfernten „fremden“ Welt und hatte eine halbes Jahr
Probezeit; auch nicht der rechte Zeitpunkt für Untersuchungen.
Aber nach diesem halben Jahr – Mitte 98 - begab ich mich zu
meiner ersten – damals ambulanten – ERCP. Diese glückte nicht
ganz und vierzehn Tage später erfolgte die zweite mit der
eindeutigen Diagnose PSC. Also wieder die DCCV bemüht, vom
frisch gegründeten Arbeitskreis ein Info mit allem Wissenswerten
über diese Krankheit in Kurzform und nun war etwas klarer, was da
auf mich zu kam. Ich wurde natürlich gleich mit Ursofalk
gefüttert und musste von nun an ziemlich oft Blutkontrollen
durchführen, aber insgesamt ging es mir gut. Dass ich oft recht
müde war und viel Schlaf brauchte, war für mich nichts mehr
Neues und Ungewöhnliches.
Ende September 2001 bekam ich ziemliche
Bauchbeschwerden und führte das zunächst auf das seltsame
alkoholfreie Bier vom Vorabend zurück, aber einen Tag später
waren meine Augen auch noch gelb und mein Gesicht eher grau, als
rosig. Aber natürlich war da ein Feiertag und anschließend
Wochenende, so dass ich erst einige Tage später zum Arzt
konnte. Ich hatte erhöhte Billirubinwerte und die Leberwerte
waren auch angestiegen ; es wurde also ernst. Ein halbes Jahr
später wieder die gleichen Symptome, aber nach zwei Tagen war's
wieder vorbei. Wieder drei Monate später wurde es aber erneut
schlechter mit nunmehr noch weiterem Anstieg der Blutparameter und
Übelkeit, Bauschmerzen etc. Es half nichts, ich musste
schleunigst zur ERCP. Und tatsächlich, aus meiner Leber konnte
nichts mehr ablaufen. Meine Hauptgallengänge waren schon seit
einigen Tagen total dicht und mussten nun aufbougsiert werden.
Laut behandelndem Arzt kam ihm da nach der Öffnung wohl eine ganz
schön trübe Brühe entgegen. Diese ganze Aktion hatte mich
tatsächlich ganz schön geschwächt, brachte mir 4 Wochen
Krankenschein und einige Kilo Gewichtsverlust ein. Daraufhin
entschloss ich mich – unterstützt von meinem Arzt – mich mal
unverbindlich im Transplantationszentrum vorzustellen. Dort wurde
mir nach relativ kurzer Untersuchung nahe gelegt, mich auf die
Warteliste setzen zu lassen und die notwendigen Voruntersuchungen
machen zu lassen. Diese Voruntersuchungen, die ich alle ambulant
machen konnte, zogen sich nahezu drei Monate hin, dazwischen auch
noch eine Grippe, die mich wieder einige Kilos kostete - so dass
ich seit Januar 2003 auf der Warteliste stand (Kurz davor hatte
ich wieder einen kompletten Verschluss mit eklatant hohen
Blutwerten und einem Krankenhausaufenthalt). Während der
Wartezeit musste ich mir noch – das war so ausgemacht – meine
4 Weisheitszähne ziehen lassen – Termin dafür war Oktober (Die
Wartezeit wurde auf 18 bis 24 Monate geschätzt). Im September
dann der Anruf, ob ich eine neue Leber wolle. Jetzt schon ?
Trotz noch nicht gezogener Zähne ? Und das während eines
Siedler-Spiels mit Freunden? Nein – ich war noch nicht so
weit und lehnte ab.
Das ganze Jahr war natürlich von vielen
Diskussionen mit meiner Frau über das für und wider, das ob oder
ob nicht etc. begleitet. Eine nicht ganz leichte Entscheidung mit
drei kleinen Kindern im Rücken. Aber schließlich klingelte im
Februar 2004 morgens das Telefon auf der Arbeit und mein
Transplantationskoordinator teilte mir mit, er hätte „ein
Leberchen“ für mich. Also schnell nach Hause von Frau und
Kindern verabschieden, umziehen, den schon seit Monaten gepackten
Rucksack über die Schulter und in den mittlerweile vorgefahrenen
Krankenwagen. Bis es endlich soweit war vergingen noch einige
Stunden, gefüllt von Röntgen, Anästhesiegespräch und endlosen
Stunden bis die Schwester endlich rein kam und sagte, dass es los
ginge. Also schnell Bauch und halbe Brust rasiert, das nette
Leibchen übergestülpt und ab in den OP. Alles verlief sehr
gut - innerhalb von 4 Stunden bekam ich eine neue Teilleber, die
gleich super funktionierte. Bereits auf der Intensivstation
konnte ich aufstehen und kam nach 40 Stunden auf die
Normalstation. Dort trainierte ich gleich am zweiten Tag mit
Laufen, Treppen steigen und Fahrradfahren, so dass ich nach 10
Tagen wieder nach Hause konnte. Nach einer Woche zu Hause
schlossen sich noch 4 Wochen Reha an. Dort hatte ich mein Fahrrad
dabei und bin gleich nach drei Tagen am ersten Wochenende 45 km
Rad gefahren.
Dass ich mittlerweile bereits über 10 Kilo
verloren hatte störte mich dabei kaum. (Obgleich ich schon
ziemlich dürr aussah). Es schlossen sich an die Reha noch 8
Wochen Krankenschein an, bevor ich nochmal voll in meinem Beruf
einsteigen konnte / durfte.
Insgesamt hat sich die OP für mich gelohnt. Ich
hatte direkt nach der Operation eine deutlich gesündere
Hautfarbe, weniger Schlafbedarf und bessere Kondition. Dennoch
muss jeder diesen Schritt für sich selbst entscheiden.
Heute – 3 Jahre später – bereue ich es immer
noch nicht und es geht mir unverändert gut. Zwar ging seit der OP
mein Billirubin nie mehr ganz zurück, sondern schwankt zwischen 2
und 2,5, aber das beunruhigt weder mich noch meine Ärzte, da es
mir körperlich und seelisch rundum gut geht. Natürlich kenne
ich mittlerweile eine ganze Reihe von transplantierten PSC-lern
und kann versichern, den allermeisten geht es sehr sehr gut seit
der Operation. Aber ich möchte nicht verschweigen, dass es
natürlich auch nicht ganz so optimale Verläufe gibt, die aber
dann oftmals auch in der Kombination verschiedener – bereits
vorher da gewesener – Zweiterkrankungen zurück gehen. So
bleibt also auch weiterehin jeder vor die eigene Wahl gestellt –
angesichts der steigenden Organknappheit wird aber meiner Ansicht
nach der Anteil der Leberlebendspenden in den nächsten Jahren
stark zunehmen.
Tja, jetzt ist es schon über 6 Jahre her und es
geht mir immer noch gut – Dankeschön an den Spender!!!
Die Besuche im Krankenhaus beschränken sich auf
eine jährliche Kontrolle in der LTx-Ambulanz mit Sono und MRT
sowie zweimal jährlich eine Untersuchung der Haut. Dazwischen in
jedem Quartal Blutkontrollen beim Hausarzt. Alles in allem also
sehr überschaubar wie ich finde.
Leider ist meine Grunderkrankung – die PSC –
wieder ausgebrochen, was in etwa 50% der Fälle passieren kann.
Das stellt im Moment noch keinerlei Problem dar, aber theoretisch
kann in einigen Jahren eine erneute Transplantation erforderlich
werden. Doch erstmal geht es mir so gut, dass ich keinen Grund zum
Grübeln habe, sondern ungehindert am „normalen“ Leben
teilnehmen kann.
Ich wünsche jedem Betroffenen, der diese
Seiten liest viel Glück im Umgang mit der Erkrankung und hoffe,
dass ich mit diesen Texten ein wenig Licht ins „Unbekannte
Dunkle“ bringen konnte und vielleicht auch etwas Mut für die
nächsten Jahre machen konnte.
|